In Lissabon besuchte ich A., die mir schon in Leipzig Unterschlupf gewährt hatte. Und ich hatte mir gute Tage für eine Reise nach Portugal ausgesucht, denn während Deutschland den ersten Schnee begrüßte, lachte über der Hauptstadt des kleinen Landes die Sonne.
Wieso Dichter und Schrifsteller sich in die Stadt verlieben können, wird recht schnell deutlich. Nicht nur das Bild der Stadt an sich, sondern wohl auch die manchmal melancholische Mentalität ihrer Bewohner mögen einladen, Worte über sie zu verlieren. Doch auch die Armut des Landes trägt einen Teil dazu bei, denn erst dadurch erhält die Stadt einen Teil ihres Gesichtes.
Wie fast immer hatte ich mich vor meiner Reise nicht wirklich über mein Reiseziel informiert; unbedarft streifte ich durch die Stadt, wich gerade noch einem Typen aus, der sich an meinem Rucksack zu schaffen machen wollte und verneinte die Nachfrage eines anderen, ob ich Haschisch kaufen möchte.
Mehr noch als die häufig heruntergekommenen Häuser, denen ein Anstrich viel ihres Charmes nehmen würde, mehr noch als die leckeren Pasteis in Belém, als die riesen Brücke über die Flußmündung, als der romatische Turm von Belém, als die Stränder von Estoril hat sich ein Bild vor meinem inneren Auge eingebrannt, das ich nicht fotographieren konnte, wollte, mochte, durfte: Unweit von einem der Plätze in der Innenstadt, unweit also von einem der Touristenzentren, saßen vor der Hintertür eines Hotels zwei kleine Mädchen auf dem Boden, an die Tür angelehnt. Sie waren vielleicht fünf Jahre alt, die Kleidung zerschlissen, die Gesichter dreckig. Und obwohl sie offensichtlich arm waren und ihre Gesichter so viel älter zu sein schienen, als ihre Körpergröße ihr Alter schätzen lässt, wirkten sie in diesem Moment selbstvergessen und zufrieden. Später erfuhr ich, dass die Armut zum Teil so groß ist, dass in der Stadt slumartige Wohngegenden existieren; ja, dass man durch Türen, die einfache Haustüren zu sein scheinen, in solche Gegenden gelangt.